Die innere Regel hinter der Zurückhaltung
Der Grund liegt selten in der Sache selbst. Er liegt in einer inneren Regel, die leise mitläuft: Wer Zweifel äußert, gilt als schwach. Wer schwach wirkt, gefährdet das Vertrauen in die eigene Souveränität.
Wie Regeln zur Falle werden können
Solche nicht hinterfragten Regeln entstehen meist aus guter Absicht – Verantwortung übernehmen, innere Stärke ausstrahlen – und werden gerade dadurch zur Falle. Denn wer glaubt, Stärke bestehe im Verbergen von Unsicherheit, verzichtet auf den Ort, an sie tatsächlich reduziert werden könnte: den Austausch auf Augenhöhe mit denen, die im selben Boot sitzen und mitentscheiden.
Folgen für Team und Organisation
Die Folge ist nicht nur die persönliche Belastung: Entscheidungen werden später getroffen als nötig, oder von einer Person allein getragen, die eigentlich Teil eines Führungskreises ist. Das Team und seine Stärken bleiben ungenutzt – ebenso wie die Möglichkeit der Weiterentwicklung, der eigenen und der im Team. Nicht aus Mangel an Vertrauen zwischen den Personen, sondern wegen einer Regel, die nie zur Sprache kam.
Wenn sich die Regel über die Führung hinaus fortsetzt
Auf Dauer wirkt diese Dynamik über die einzelne Person hinaus. Eine Organisation lernt von ihrer Führung, wie mit Unsicherheit umgegangen wird. Wird Zweifel oben nie sichtbar, bleibt er auch weiter unten meist verborgen. So setzt sich eine Regel fort, die ursprünglich nur eine einzelne Person für sich selbst aufgestellt hatte. Auch jenseits von Führung zeigt sich dieses Muster: überall dort, wo Menschen überzeugt sind, Unsicherheit dürfe nicht gezeigt werden, weil sie als Schwäche gedeutet würde.
Welche Regel läuft in Ihrem Führungskreis unausgesprochen mit? Und wüssten Sie, woran Sie erkennen würden, dass sie nicht mehr gilt?