Stresscoaching bei Burnout

Burnout: Muss der Weg zurück immer lang sein?

Wer wegen eines Burnouts ausfällt, verbindet damit oft eine beunruhigende Vorstellung: monatelange Krankschreibung, vielleicht ein Klinikaufenthalt und ein mühsamer Weg zurück ins Leben. Doch weder eine Klinik noch eine bestimmte Erholungsdauer sind zwangsläufig vorgegeben. Entscheidend ist, welche Belastungen vorliegen und welche Unterstützung der betroffene Mensch braucht. Dabei verdient eine Frage besondere Aufmerksamkeit: Was hält den inneren Stress aufrecht, wenn die äußere Belastung längst unterbrochen ist?

Wenn die Auszeit allein nicht reicht

Eine Krankschreibung kann dringend notwendige Entlastung schaffen. Aber wer nicht mehr am Arbeitsplatz sitzt, ist deshalb innerlich nicht automatisch zur Ruhe gekommen. Gedanken wie „Ich darf auf keinen Fall versagen“, „Ich muss alles schaffen“ oder „Ich darf niemanden enttäuschen“ können weiterhin Druck erzeugen.

In der Introvision sprechen wir in diesem Zusammenhang von inneren Alarmen. Gemeint sind erlernte Alarmreaktionen auf etwas, das subjektiv bedrohlich erscheint – etwa Kritik, Ablehnung oder das Gefühl, den Anforderungen nicht zu genügen. Solche Reaktionen können dazu beitragen, dass Anspannung auch während einer Auszeit bestehen bleibt.

Stressmanagement kann helfen, mit dieser Anspannung umzugehen und Überlastung vorzubeugen. Ergänzend lohnt sich jedoch der Blick auf die inneren Auslöser: Was versetzt diesen Menschen immer wieder in Alarmbereitschaft?

Den Alarm beobachten, ohne einzugreifen

Ein Feueralarm fordert zum Handeln auf: das Gebäude verlassen, Hilfe holen, die Feuerwehr rufen. Auch ein innerer Alarm geht häufig mit einem starken Handlungsimpuls einher. Wir wollen die befürchtete Situation verhindern, uns absichern oder das unangenehme Gefühl möglichst schnell loswerden.

Hier setzt Introvision an. Unter qualifizierter Begleitung wird der persönliche Alarmauslöser zunächst identifiziert und anschließend dosiert vergegenwärtigt. Die betroffene Person lernt, die dabei auftauchenden Empfindungen, Gefühle und Gedanken mit weiter Aufmerksamkeit wahrzunehmen, ohne sie gezielt verändern zu wollen.

Es geht um ein beobachtendes Wahrnehmen von Moment zu Moment: ohne Grübeln, Unterdrücken oder den Versuch, sich sofort zu beruhigen. Im Arbeitsmodell der Introvision erhält der Alarm dadurch die Möglichkeit, „leerzulaufen“ und an Intensität zu verlieren. Ziel ist, dass der bisherige Auslöser keine belastende Alarmreaktion mehr hervorruft.

Veränderung kann schneller eintreten als erwartet

Aus unserer Coachingpraxis kennen wir einzelne Verläufe, in denen Menschen nach etwa zweieinhalb Monaten Krankschreibung zunächst kaum Besserung erlebt hatten und sich im Verlauf von ein bis drei Wochen mit Introvision wieder deutlich belastbarer und arbeitsfähig fühlten.

Diese Erfahrungen machen Mut. Sie sind jedoch keine allgemeine Prognose und kein Versprechen einer bestimmten Erholungszeit. Ob und wann eine Rückkehr in den Beruf sinnvoll ist, muss individuell und gegebenenfalls gemeinsam mit den behandelnden Fachpersonen beurteilt werden.

Damit die Entlastung trägt

Zum Stresscoaching gehört außerdem der Blick auf den Alltag: Sind die Anforderungen realistisch? Werden Grenzen rechtzeitig gesetzt? Passen Arbeitsorganisation, Pausen und persönliche Ansprüche zusammen? 
Auch belastende Arbeitsbedingungen müssen berücksichtigt werden.
Innere Alarmreaktionen zu bearbeiten und die Bedingungen der Überlastung zu verändern, kann sich sinnvoll ergänzen. Dabei geht es um mehr als die schnelle Rückkehr zur Leistungsfähigkeit: um einen Alltag, der dauerhaft tragfähig ist.

Anhaltende Erschöpfung sollte ärztlich abgeklärt werden, weil beispielsweise eine Depression oder körperliche Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können. Introvision-Coaching kann eine passende Begleitung sein; notwendige medizinische oder psychotherapeutische Behandlung ersetzt es nicht.